Medizinischer Honig klingt zunächst überraschend – Honig auf einer Wunde? Tatsächlich wird speziell aufbereiteter Honig in der modernen Wundversorgung verwendet. Wichtig ist aber die Unterscheidung: Medizinprodukt-Honig ist nicht dasselbe wie der Honig aus dem Frühstücksglas. Dieser Beitrag erklärt, wie medizinischer Honig wirkt und warum man Wunden niemals mit Speisehonig behandeln sollte.
Was ist medizinischer Honig?
Medizinischer Honig ist speziell aufbereiteter und sterilisierter Honig, der als zertifiziertes Medizinprodukt zugelassen ist. Häufig kommt dafür Manuka-Honig oder ein anderer Honig mit definierten Eigenschaften zum Einsatz. Durch Bestrahlung wird er keimfrei gemacht, ohne seine wirksamen Bestandteile zu zerstören. Er wird in Apotheken als Wundgel oder imprägnierte Wundauflage angeboten.
Der bekannteste Vertreter ist Manuka-Honig, dem besondere antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben werden – mehr dazu im Beitrag Manuka-Honig.
Wie wirkt Honig auf Wunden?
Mehrere Eigenschaften des Honigs spielen in der Wundversorgung zusammen:
- Hoher Zuckergehalt: Er entzieht Mikroorganismen Wasser und hemmt so deren Wachstum.
- Wasserstoffperoxid: Ein Enzym im Honig bildet in geringen Mengen Wasserstoffperoxid, das antibakteriell wirkt.
- Niedriger pH-Wert: Das leicht saure Milieu ist für viele Keime ungünstig.
- Feuchtes Wundmilieu: Honig hält die Wunde feucht, was die Heilung unterstützen kann.
Bei Manuka kommt ein zusätzlicher Inhaltsstoff (Methylglyoxal) hinzu, der die antibakterielle Wirkung verstärkt. Eingesetzt wird medizinischer Honig vor allem bei chronischen oder schlecht heilenden Wunden – immer unter fachlicher Anleitung.
Warum kein Speisehonig auf Wunden?
Das ist der entscheidende Punkt: Normaler Honig aus dem Lebensmittelhandel ist nicht steril. Er kann Keime und Sporen enthalten, die in einer offenen Wunde gefährlich werden können. Was bei Babys problematisch ist, gilt erst recht für Wunden – siehe auch den Beitrag Honig für Babys.
Wunden gehören grundsätzlich fachgerecht versorgt. Bei tiefen, stark blutenden, entzündeten oder schlecht heilenden Wunden ist ärztlicher Rat wichtig. Medizinischen Honig sollte man nur als zugelassenes Produkt und nach Anleitung verwenden.
Häufige Fragen zu medizinischem Honig
Ist medizinischer Honig ein Ersatz für Antibiotika?
Nein. Er ist ein ergänzendes Mittel in der Wundversorgung, kein Ersatz für eine ärztlich verordnete Behandlung. Über die Anwendung entscheidet medizinisches Fachpersonal.
Kann ich Manuka-Honig aus dem Laden auf die Haut geben?
Speise-Manuka ist nicht steril und nicht als Wundprodukt zugelassen. Für die Wundversorgung sind ausschließlich zertifizierte Medizinprodukte vorgesehen.
Macht der Honig im Frühstücksglas mich also nicht „gesünder“?
Die wundheilenden Eigenschaften beziehen sich auf die äußere Anwendung von speziell aufbereitetem Honig. Als Lebensmittel bleibt Honig vor allem ein Süßungsmittel – mehr dazu im Beitrag Ist Honig wirklich gesund?.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.