Honig schleudern: Vom Wabenrahmen ins Glas

Honig schleudern bezeichnet die Gewinnung von Honig aus den Waben mithilfe einer Honigschleuder, die den Honig durch Zentrifugalkraft aus den geöffneten Zellen treibt. Die Methode ist seit ihrer Erfindung 1865 durch Franz von Hruschka der Standard, weil die Waben dabei unversehrt bleiben und den Bienen zurückgegeben werden können.

Wann ist der Honig reif zum Schleudern?

Geschleudert wird nur reifer Honig. Die Bienen verdeckeln eine Honigzelle erst, wenn der Wassergehalt stimmt – darum gilt: Eine Wabe sollte mindestens zu zwei Dritteln verdeckelt sein. Zur Sicherheit machen Imker die Spritzprobe (aus einer unverdeckelten Wabe darf beim ruckartigen Schütteln kein Honig spritzen) und messen mit dem Refraktometer. Für Echten Deutschen Honig im DIB-Glas sind maximal 18 Prozent Wassergehalt erlaubt, die deutsche Honigverordnung lässt höchstens 20 Prozent zu.

In Deutschland wird meist zweimal geerntet: die Frühtracht Ende Mai und die Sommertracht im Juli. Geschleudert wird zeitnah nach der Entnahme, solange der Honig wabenwarm und dünnflüssig ist.

Honig schleudern in vier Schritten

1. Entdeckeln

Die Wachsdeckel der Zellen werden mit Entdeckelungsgabel oder -messer abgehoben. Das anfallende Entdeckelungswachs ist besonders reines Jungfernwachs und wird eingeschmolzen.

2. Schleudern

Die entdeckelten Waben kommen in die Schleuder. Bei der verbreiteten Tangentialschleuder beginnt man langsam, schleudert die erste Wabenseite nur teilweise aus, wendet, schleudert die zweite Seite vollständig und dann die erste fertig – so bricht das Wabenwerk nicht. Radialschleudern erfassen beide Seiten gleichzeitig und eignen sich für größere Imkereien.

3. Sieben und Klären

Der ablaufende Honig passiert ein Grob- und ein Feinsieb, das Wachsteilchen zurückhält. Anschließend ruht er einige Tage im Abfüllbehälter: Luftbläschen und feinste Wachspartikel steigen als Schaum auf und werden abgeschöpft.

4. Abfüllen oder Cremigrühren

Flüssiger Honig wird direkt in Gläser abgefüllt. Sorten mit hohem Traubenzuckeranteil – etwa Frühtracht mit Raps – werden vorher über mehrere Tage cremig gerührt, damit sie feinsteif statt grobkristallin fest werden.

Hygiene: Honig ist ein Lebensmittel

Geschleudert wird in einem sauberen, bienendichten Raum mit abwischbaren Flächen. Alle Gerätschaften müssen lebensmittelecht und trocken sein; Wasserreste im Schleuderkessel erhöhen den Wassergehalt. Wer Honig verkauft, unterliegt der Lebensmittelhygiene-Verordnung – auch als Hobbyimker.

Häufige Fragen zum Honigschleudern

Was bedeutet „kaltgeschleudert“?

Nichts Besonderes: Jeder Honig wird ohne Erhitzen geschleudert, „kaltgeschleudert“ ist ein reiner Werbebegriff. Die Bezeichnung suggeriert eine Qualität, die ohnehin Standard ist.

Kann man Honig ohne Schleuder gewinnen?

Ja – durch Auspressen oder Austropfenlassen zerkleinerter Waben (Press- bzw. Tropfhonig) oder als Scheibenhonig direkt in der Wabe. Diese Verfahren zerstören allerdings das Wabenwerk.

Warum darf unreifer Honig nicht geschleudert werden?

Zu hoher Wassergehalt lässt Honig gären. Ab etwa 18–19 Prozent Wasser können Hefen aktiv werden; der Honig verdirbt und ist nicht mehr verkehrsfähig.

Was passiert mit den leeren Waben?

Sie gehen zum „Ausschlecken“ zurück ans Volk: Die Bienen tragen die Honigreste ab und reparieren die Zellen. Danach dienen die Waben erneut als Honigraum oder wandern ins Wachsrecycling.

Weiterlesen: Wie entsteht Honig? und Kaltgeschleudert, Bio & Co.