Wenn der Imker im Sommer Honig erntet, nimmt er den Bienen einen Teil ihrer Vorräte weg. Damit das Volk gut über den Winter kommt, bekommt es einen Ersatz: die Winterfütterung. Das klingt zunächst widersprüchlich – warum nimmt man Honig und gibt dafür Zucker? Hier erfährst du, warum die Winterfütterung sinnvoll ist und was sie mit der Qualität deines Honigs zu tun hat.
Warum Bienen einen Wintervorrat brauchen
Ein Bienenvolk überwintert nicht im Winterschlaf, sondern bleibt als Gemeinschaft aktiv. Die Bienen bilden eine Wintertraube und halten sich durch Muskelzittern gegenseitig warm. Dafür brauchen sie Energie – und die liefert ihr eingelagerter Futtervorrat. Ein Volk verbraucht über den Winter mehrere Kilogramm Futter. Da der Imker im Sommer einen Teil des Honigs erntet, muss er diesen Vorrat ersetzen.
Warum nicht einfach den eigenen Honig lassen?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens erntet der Imker nur den Überschuss aus dem Honigraum, nicht die gesamten Vorräte. Zweitens ist nicht jeder Honig als Winterfutter ideal: Manche Honige, besonders Honigtauhonige wie Wald- oder Tannenhonig, enthalten Stoffe, die sich für die Überwinterung schlecht eignen und zu Problemen führen können. Reiner Zuckersirup ist über den Winter oft verträglicher, weil er sauber und gut verdaulich ist. Drittens lässt sich die Futtermenge mit einer gezielten Fütterung verlässlich steuern. Welche Rolle Honigtau für solche Honige spielt, erklärt das Schwesterprojekt bienen.wiki.
Wie die Winterfütterung abläuft
Gefüttert wird meist im Spätsommer und Frühherbst, nachdem der Honig geerntet wurde. Als Futter dienen Zuckersirup oder spezielles Futter aus dem Imkereibedarf. Die Bienen tragen es ein, dicken es ein und lagern es wie Honig in den Waben ein. Wichtig ist der richtige Zeitpunkt: Die Fütterung muss abgeschlossen sein, solange die Bienen noch aktiv genug sind, um das Futter einzulagern und zu verdeckeln. Auch die Menge muss stimmen – zu wenig gefährdet das Volk, zu viel engt das Brutnest ein.
Was das mit deinem Honig zu tun hat
Für dich als Honigliebhaber ist die Winterfütterung ein wichtiger Hintergrund: Sie ist ein Grund, warum guter Imkerhonig sortenrein und sauber ist. Weil die Bienen im Winter mit Zuckersirup versorgt werden, bleibt der geerntete Sommerhonig unvermischt und behält seinen Sortencharakter. Seriöse Imker achten darauf, dass kein Winterfutter in den Erntehonig gelangt – der im nächsten Jahr geerntete Honig stammt aus frischem Nektar, wie der Beitrag Wie entsteht Honig beschreibt.
Häufige Fragen zur Winterfütterung
Bekommen Bienen im Winter Zucker statt Honig?
Ja, in der Regel. Der Imker erntet im Sommer einen Teil des Honigs und ersetzt ihn durch Zuckersirup oder spezielles Bienenfutter, das die Bienen einlagern und über den Winter verbrauchen.
Ist das schlecht für die Bienen?
Nein, es ist eine bewährte Praxis. Sauberer Zuckersirup ist für die Überwinterung oft sogar besser geeignet als manche Honige. Wichtig sind die richtige Menge und der richtige Zeitpunkt.
Landet das Winterfutter im Honigglas?
Nein. Seriöse Imker trennen Winterfutter und Erntehonig sauber. Der geerntete Honig stammt aus frischem Nektar des Folgejahres, nicht aus dem zugefütterten Zucker.