Honigtau ist eine zuckerhaltige Ausscheidung von pflanzensaugenden Insekten – vor allem Blatt- und Schildläusen –, die Bienen sammeln und zu Honigtauhonig verarbeiten. Wald-, Tannen- und Blatthonig entstehen nicht aus Blütennektar, sondern aus diesem Sekret. Honigtauhonige sind dunkler, mineralstoffreicher und bleiben länger flüssig als die meisten Blütenhonige.
Wie Honigtau entsteht
Blatt- und Schildläuse stechen die Siebröhren von Bäumen an und saugen den Pflanzensaft. Dieser ist zuckerreich, aber eiweißarm – die Läuse müssen große Mengen filtern, um an Aminosäuren zu kommen. Den Zuckerüberschuss scheiden sie als klebrige Tröpfchen aus: den Honigtau. Er überzieht Nadeln und Blätter, glänzt in der Sonne und tropft bei starkem Befall sogar von den Bäumen – jeder kennt das vom klebrigen Autodach unter einer Linde.
Bienen sammeln Honigtau wie Nektar, reichern ihn mit Enzymen an, trocknen ihn ein und lagern ihn in den Waben. Wichtige Honigtauerzeuger sind die Große Schwarze Fichtenrindenlaus, die Grüne Tannenhoniglaus und verschiedene Lachniden an Eiche, Ahorn und Linde.
Honigtau-Honige: Wald, Tanne, Blatt
| Bezeichnung | Quelle | Charakter |
|---|---|---|
| Waldhonig | Honigtau von Fichten, teils Laubbäumen | Dunkelbraun, malzig-würzig |
| Tannenhonig | Honigtau der Weißtanne | Dunkel mit grünlichem Schimmer, harzig-fein |
| Blatthonig | Honigtau von Laubbäumen (Eiche, Ahorn, Linde) | Dunkel, kräftig, je nach Baumart variabel |
Honigtautracht ist unberechenbar: Sie hängt von der Massenvermehrung der Läuse ab, die wiederum Witterung und Waldzustand folgt. Auf ein starkes „Waldjahr“ können mehrere Jahre fast ohne Waldhonig folgen – ein Grund für seinen höheren Preis.
Was Honigtauhonig auszeichnet
- Mehr Mineralstoffe: Honigtauhonige enthalten deutlich mehr Mineralstoffe und Spurenelemente als helle Blütenhonige – erkennbar an der höheren elektrischen Leitfähigkeit (über 0,8 mS/cm), einem Laborkriterium für Waldhonig.
- Höherer Anteil Mehrfachzucker: Statt fast nur Frucht- und Traubenzucker enthalten sie Melezitose und andere Oligosaccharide. Viel Melezitose kann Honig schon in der Wabe auskristallisieren lassen („Zementhonig“).
- Lange flüssig: Der geringere Traubenzuckeranteil verzögert die Kristallisation oft um Monate.
- Kräftiges Aroma: Malzig, würzig, leicht harzig – beliebt bei allen, denen Blütenhonig zu mild ist.
Häufige Fragen zum Honigtau
Ist Honigtauhonig „Läusehonig“ – und ist das eklig?
Der Begriff ist korrekt, aber irreführend: Honigtau ist gefilterter, kaum veränderter Pflanzensaft, dessen Zucker die Läuse gar nicht verwerten. Die Bienen verarbeiten ihn genauso gründlich wie Nektar.
Woran erkenne ich Honigtauhonig im Glas?
Dunkle Farbe von Bernstein bis Fast-Schwarz, malzig-würziger Geschmack, lange flüssige Konsistenz. Verlässlich ist die Sortenbezeichnung „Wald-„, „Tannen-“ oder „Blatthonig“ auf dem Etikett.
Ist Waldhonig gesünder als Blütenhonig?
Er enthält mehr Mineralstoffe und oft mehr antioxidative Stoffe, bleibt aber ein Zuckerprodukt. Die Unterschiede rechtfertigen keine Gesundheitsversprechen – wohl aber den geschmacklichen Vorzug. Mehr dazu: Waldhonig.
Warum gibt es nicht jedes Jahr Waldhonig?
Die Läusepopulationen schwanken stark mit Witterung und Baumzustand. Ohne Massenvermehrung der Honigtauerzeuger fällt die Waldtracht aus. Wie Honig grundsätzlich entsteht, erklärt der Beitrag Wie entsteht Honig?